Unterweisungsentwurf schreiben: Aufbau, Beispiel und Checkliste
Viele Kammern verlangen vor der praktischen AEVO-Prüfung ein schriftliches Konzept, oft „Unterweisungsentwurf“ genannt. Der Prüfungsausschuss liest es vor der Prüfung und vergleicht es mit dem, was Sie zeigen. Ein klarer Entwurf ist deshalb schon die halbe praktische Prüfung.
Zielgruppe, Lernziel, Methode, Ablauf und Lernerfolgskontrolle müssen zusammenpassen. Genau diesen roten Faden sucht der Ausschuss. Planen Sie 13 bis 14 Minuten und halten Sie den Azubi in jeder Phase aktiv.

Was der Ausschuss im Entwurf sucht
Der Ausschuss will sehen, dass Sie eine Ausbildungssituation planen können. Er achtet weniger auf schöne Formulierungen als auf den roten Faden: Passt das Thema zum Azubi? Ist das Lernziel messbar? Passt die Methode zu Ziel und Azubi? Prüft die Lernerfolgskontrolle genau das Lernziel? Wenn diese Kette hält, ist der Entwurf stark, auch wenn er kurz ist.
Die Vorgaben zu Umfang, Form und Abgabefrist macht Ihre Kammer. Manche verlangen nur wenige Seiten, andere ein Deckblatt nach Muster oder mehrere Exemplare. Lesen Sie die Einladung genau und halten Sie sich daran.
Der Aufbau in 9 Abschnitten
- Deckblatt und Rahmendaten: Name, Prüfungsnummer, Ausbildungsberuf, Thema, Variante (Präsentation oder Durchführung), Ort und Zeit der Unterweisung.
- Zielgruppe: Alter, Ausbildungsjahr, Schulabschluss, Vorkenntnisse aus Betrieb und Berufsschule, Lernverhalten. Wichtig: Schreiben Sie auch, was daraus für Ihr Vorgehen folgt. „Der Azubi ist 17“ allein reicht nicht; „deshalb achte ich auf die Pausenregeln des Jugendarbeitsschutzgesetzes“ zeigt Planung.
- Einordnung: Wo steht das Thema im Ausbildungsrahmenplan (Lfd. Nr. und Ausbildungsjahr)? Was hat der Azubi vorher gelernt, was kommt danach? Gibt es einen Bezug zur Berufsschule?
- Lernziele: Richtlernziel, Groblernziel und ein bis drei Feinlernziele. Die Feinlernziele messbar: beobachtbares Verb, Bedingung, Maßstab. Mehr dazu im Artikel Lernziele formulieren.
- Methode: Ihre Methode mit Begründung, bezogen auf Lernziel, Inhalt und Azubi. Nennen Sie eine Alternative und warum Sie sie nicht gewählt haben. Das ist im Fachgespräch ohnehin eine der häufigsten Fragen.
- Medien und didaktische Prinzipien: Material, Werkzeug, Arbeitsblatt, Checkliste. Dazu zwei oder drei Prinzipien, die Sie wirklich umsetzen, etwa Anschaulichkeit, Praxisnähe oder „vom Einfachen zum Schweren“, jeweils mit einem Satz, woran man es erkennt.
- Sicherheit und Recht: Gefahren bei der Tätigkeit, Schutzmaßnahmen, persönliche Schutzausrüstung, bei Minderjährigen der Jugendarbeitsschutz.
- Ablaufplan: eine Tabelle mit Phasen, Minuten, Tätigkeit des Ausbilders, Tätigkeit des Azubis und Medium. Die Durchführung darf 15 Minuten nicht überschreiten; planen Sie 13 bis 14 Minuten.
- Lernerfolgskontrolle: wie Sie am Ende prüfen, ob das Feinlernziel erreicht ist, und was Sie tun, wenn nicht.
Beispiel: ein Ablaufplan in Kurzform
Thema: Eine Eingangsrechnung sachlich und rechnerisch prüfen. Azubi: Kaufmann für Büromanagement, 1. Ausbildungsjahr, 18 Jahre, Grundlagen der Prozentrechnung aus der Berufsschule. Methode: Lehrgespräch mit anschließender Einzelaufgabe.
| Phase · Min. | Ausbilder | Azubi | Medium |
|---|---|---|---|
| Einstieg · 2 | Begrüßt, nennt das Ziel, fragt nach Erfahrungen mit Rechnungen | berichtet aus dem Alltag | Originalrechnung |
| Erarbeitung · 6 | Erarbeitet im Gespräch die Prüfschritte, hält sie auf der Checkliste fest | nennt Prüfpunkte, rechnet Skonto nach | Checkliste, Taschenrechner |
| Anwendung · 4 | Gibt eine Übungsrechnung mit drei eingebauten Fehlern aus, beobachtet | prüft selbstständig mit der Checkliste | Übungsrechnung |
| Kontrolle · 2 | Lässt Ergebnisse erklären, gibt Rückmeldung | nennt die gefundenen Fehler und begründet | Lösungsblatt |
| Abschluss · 1 | Fasst zusammen, nennt den nächsten Schritt | fasst die Prüfschritte in eigenen Worten zusammen | – |
Das passende Feinlernziel: Der Auszubildende prüft eine Übungsrechnung anhand der Checkliste und findet innerhalb von 4 Minuten alle drei Fehler. Die Kontrolle prüft genau das. So entsteht der rote Faden. Ein vollständiges Beispiel finden Sie im Artikel Unterweisungsentwurf: Beispiel.
Die 7 häufigsten Fehler
- Das Thema ist zu groß. „Buchhaltung“ statt „Eingangsrechnung prüfen“. In 15 Minuten wird dann nichts richtig fertig.
- Die Zielgruppe hat keine Folgen. Alter und Vorkenntnisse stehen da, aber nichts im Ablauf hängt davon ab.
- Das Feinlernziel ist nicht messbar. „Der Azubi versteht …“ lässt sich nicht beobachten.
- Die Methode ist nicht begründet oder passt nicht zum Ziel, etwa ein langer Vortrag für einen Handgriff.
- Der Azubi ist zu lange passiv. Im Ablaufplan redet fast nur der Ausbilder.
- Die Kontrolle prüft etwas anderes als das Feinlernziel, oder sie fehlt ganz („Hast du alles verstanden?“).
- Die Zeit passt nicht. Die Minuten im Ablaufplan ergeben 20 statt 15, oder es gibt keinen Puffer.
Checkliste vor der Abgabe
- Vorgaben der Kammer zu Umfang, Form, Anzahl und Frist erfüllt
- Thema ist eine einzelne Tätigkeit aus dem Ausbildungsrahmenplan
- Aus der Zielgruppe folgen konkrete Entscheidungen
- Jedes Feinlernziel hat ein beobachtbares Verb, eine Bedingung und einen Maßstab
- Methode ist begründet, eine Alternative ist genannt
- Ablauf höchstens 15 Minuten, besser 13 bis 14, der Azubi ist in jeder Phase aktiv
- Die Lernerfolgskontrolle prüft genau das Feinlernziel
- Sicherheit und Recht sind genannt
- Rechtschreibung geprüft, einheitliche Begriffe (Azubi oder Auszubildender)
Tipp vom Prüfer
Schreiben Sie so, dass jemand ohne Ihr Fachwissen den Ablauf versteht. Der Ausschuss kommt oft aus anderen Berufen. Und wenn Sie in der Prüfung vom Entwurf abweichen, ist das kein Problem: Sprechen Sie es im Fachgespräch selbst an und begründen Sie es. Das zeigt, dass Sie flexibel reagieren können.
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Wie lang muss ein Unterweisungsentwurf sein?
Das legt Ihre Kammer fest. Häufig sind es wenige Seiten plus Ablaufplan. Mehr Seiten bringen keine Punkte; entscheidend ist, dass alle Teile zusammenpassen.
Wird der Unterweisungsentwurf bewertet?
Das ist je nach Kammer unterschiedlich. Fast immer nutzt der Ausschuss ihn aber, um Ihre Planung mit der Durchführung zu vergleichen und Fragen für das Fachgespräch abzuleiten.
Darf ich in der Prüfung vom Entwurf abweichen?
Ja. Reagieren Sie auf den Azubi, wenn es nötig ist, und sprechen Sie die Abweichung im Fachgespräch selbst an. Begründete Abweichungen werden positiv gesehen.
Welche Methode ist für den Entwurf am besten?
Es gibt keine beste Methode. Für Handgriffe passt oft die Vier-Stufen-Methode, für Zusammenhänge mit Vorwissen das Lehrgespräch. Wichtig ist die Begründung.